Unsere Blogs

Hier präsentieren wir eine Auswahl von Blogs aus den Fachgruppen des MMW-Bundesverbandes. Wir möchten besonders auf die "Dialog-Form" einiger Fachgruppen hinweisen. Wichtig an dieser Form: Das Gespräch mit der "Praxis". Natürlich sind auch die "Theoretiker" herzlich zum Dialog eingeladen. ... (Koordination und Redaktion: Gerd K. Schaumann)
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7.9.21

Gleichbehandlung für alle Rechtsformen: Staatskontrolle – JA oder NEIN?

 


*CoopGo-Dialoge*

 

Bedürfen Genossenschaften wirklich einer „Staats-Aufsicht“ (Kontrolle)?

 

Intro – (Die Essenz zahlreicher ähnlicher Fragen bzw. Hinweise)

Unter Verweis auf die Länder der EU wird bezweifelt, ob Genossenschaften überhaupt einer solchen „Aufsicht“ bedürfen. Manche „Kritiker“ vermuten sogar: Diese „Kontrolle“ behindert die Entwicklung von Genossenschaften und zeigt, dass der Staat mit zweierlei Maß misst.

Die „Vergleichszahlen“ zeigen deutlich: Die Länder ohne Staatskontrolle sind der bessere Weg.

Was steckt wirklich hinter der Idee der Kontrolle? Und was wäre zu tun?   

 

Die „CoopGo-Dialoge“-Sicht

Was unterstellen Politiker – bewusst oder unbewusst - , wenn sie regeln, dass (nur) Genossenschaften einer „Staatsaufsicht“ bedürfen?

Entweder:

·       Die Teilhaber einer Genossenschaft sind „dümmer“ als die anderer Rechtsformen.

·       Genossenschaften könnten – wie auch immer – sich als „Problem“ für eine definierte „Rolle“ im Staat herausstellen. Diese „Rolle“ kann sowohl gesellschaftspolitisch, wie auch wirtschaftspolitisch definiert sein.

Bisher ist nur erkennbar, dass diese Kontrolle eher zum Nachteil der Menschen in Genossenschaften wirkte. …

Das Jahr 1934 ist ein wichtiger Erinnerungspunkt. Dort wurde diese Staatsaufsicht eingeführt. Die Nationalsozialisten wussten damals genau, warum „Aufsicht“  notwendig war. …

Genau diese „Kontrolle“ wurde in die Gesetzgebung nach 1945 „übergleitet“.

·       War man sich bewusst, was man tat?

Im Jahre 2024 wird diese Art „Staatsaufsicht“ dann 90 Jahre alt. …

Inzwischen hat sich die Welt erheblich verändert; auch die Menschen. …

Es wäre nunmehr an den Verbänden die sich offensichtlich sehr gut wirtschaftlich mit dieser Art von „Aufsicht“ arrangiert haben, deutlich zu machen, dass sich die Zeiten geändert haben. ..

Leider scheint es  keine Verbände zu geben, die wirklich aus der Sicht der Menschen in Genossenschaften denken. …

Schon diese Frage sucht bisher vergeblich überzeugende Antwort:

·       Was ist in Deutschland anders, als in anderen EU-Staaten, in denen Genossenschaften und deren Mitglieder gut ohne „Zwangsmitgliedschaft“ in Genossenschaften auskommen.

Dass Genossenschafts-Banken wahrscheinlich der „Staatsaufsicht“ bedürfen, könnte sein. Aber damit den gesamten Genossenschafts-Sektor zu belasten, ist nicht nur unklug, sondern auch sogar „genossenschafts-schädlich“.

Man schafft dafür einfach ein „Genossenschafts-Banken-Gesetz“, denn die anderen Genossenschaftsformen müssen sich derzeit nach den „Banken“ richten. Die sog. Qualitätsprüfung ist ein seltsames Beispiel dafür. …

Der „Kontroll-Erfolg“ lässt sich sehen:

·       Weniger als 8.000 Genossenschaften in Deutschland!

Vergleichen wir das mit Frankreich, müssten wir in Deutschland eigentlich 35.000 (!) Genossenschaften haben. …

Wir sind sicher, dass Deutschland nicht nur nicht „EU-konform“ handelt, sondern auch „genossenschafts-schädlich“!

Angeblich war Deutschland mal führender „Ideengeber“ in Sachen Genossenschaft. …

Was hindert die Verbände eigentlich „Farbe“ zu bekennen und ehrlich zu sagen:

·       Wir leben gut von und mit der „Staatsaufsicht“.

Wenn man wirklich Gutes anzubieten hat, brauchte man sich eigentlich keine „Sorgen“ zu machen, aufgrund einer  fehlenden „Zwangs-Mitgliedschaft“ in „Insolvenz“ gehen zu müssen.

Sollte jedoch Staatsaufsicht – wie auch immer definiert – wirklich Sinn machen, dann sollte man diese Zwangsmitgliedschaft auf alle Rechtsformen ausweiten. …

Wir wären gespannt, wie die anderen Rechtsformen auf diese „Wohltat“ reagieren würden. …

Entweder:

·       Staatskontrolle für alle Rechtsformen oder

·       Keine Staatskontrolle für alle Rechtsformen

Wer ergreift die Initiative, um endlich Bewegung in diese absurde Situation zu bringen?

 

 

Kooperative Intelligenz – Unser eigener Körper zeigt, dass es geht …

Hinweis: Wir veröffentlichen hier lediglich Auszüge aus unseren Antworten.  

Redaktion: AG  CoopGo-Dialoge – Wege zu einer zukunftsfähigen Genossenschafts- u. Kooperationstheorie“  im CoopGo Bund e.V. (www.coopgo.de)

 i.V.m. SmartCoop Forschungsinstitut (SCFI) dem ThinkTank des Bundesverbandes MMW e.V. (www.bundesverband-mmw.de)

 

29.3.21

Kooperativer Wandel: Sind Fragen wichtiger als Antworten?


 

Frage

Unsere Welt scheint von der Idee getragen, dass Antworten der wesentliche Impuls für Entwicklung sei. Nehmen wir z.B. den Kooperativen Wandel. Wer würde dazu schon die Antworten kennen …. Wir haben ja noch nicht einmal begonnen, entsprechende Fragen zu stellen. Es ist doch leicht zu erkennen, wenn wir uns selbst beobachten: Erst wenn eine Frage „kommt“, beginnt unser Hirn zu arbeiten und wir antworten … - nicht umgekehrt. Warum wird das nicht an Schulen gelehrt oder in anderen Bereichen der Gesellschaft, besonders der Politik so praktiziert?

Antwort

Das habt Ihr wirklich gut erkannt. Eigentlich müsste unsere AG „QuantFragen“ statt „QuAntworten“ heißen. Es war bei uns lediglich eine Sache der besseren „Lesbarkeit“. …

Uneingeschränkt JA  zu Eurer Frage!!!

·       Alles beginnt damit, etwas (fragend) wissen zu wollen, was auch immer der „Motor“ war.

Der Satz:

·       „Etwas in Frage zu stellen“, ist keine Kritik, sondern eine Chance.

Eigentlich heißt es eher so:

·       „Wir stellen etwas in eine Frage“.

Klingt schon ganz anders – oder?

Wenn „fragen“ so zentral sind, besteht eigentlich wenig Verständnis für das, was Schule täglich praktiziert:

·       Dort stellt ein Lehrer nur „Fragen“, deren Antworten er selbst (schon) kennt.  

Eine merkwürde Art, „Ansporn zum Lernen“ zu geben. …

Man nennt es wohl „Dauer-Lernkontrolle“ – aber ist so etwas wirklich „Ansporn für Neugier“?.

Ähnlich läuft es auch in vielen Bereichen der Politik. Meist erwarten Politiker von Journalisten – vorher – zu wissen, welche Fragen gestellt werden. Das ist der Grund, weshalb es dann für die Bürger so aussieht, als sei der „Beantworter“ besonders gut informiert. …

·       Jeder wissenschaftliche Fortschritt beginnt mit einer Frage

Zunächst besteht Neugier oder Zweifel am Bestehenden. Dann erst beginnt der Impuls, sich auf den Weg zur (möglichen) Lösung zu begeben. …

Interessant ist auch – dies „Spiel“ wenden wir im QuantenInstitut oft an:

·       Die Qualität einer Frage ein- oder mehrfach zu „toppen“, bevor wir uns zur Beantwortung begeben.

Nehmen wir beispielhaft:

·       Den „Kooperativen Wandel“.

Wir stehen dort ganz am Anfang, wissen aber, dass er sich nicht aufhalten lassen wird. Er kann jedoch „verzögert“ werden, sofern die Bewusstseinsentwicklung der Menschen an Dynamik verliert. …

Als wir begannen, uns mit dem Thema „Kooperativer Wandel“ intensiv zu beschäftigen, haben wir zunächst quasi eine Art

·       „Antwort-Verweigerung“

eingeführt. …

Jeder der meinte, bereits eine Antwort zu kennen, wurde gebeten sie zu notieren, aber sie nicht (intern) zu „veröffentlichen“.

Nur so konnten wir sicherstellen, nicht zu frühzeitig auf „Lösungssuche“ zu gehen und – wie wir meinten – damit die Qualität, Bereite und Tiefe unserer Erkenntnis einzuschränken.

Beispielhaft einige unserer Fragen:

·       Was ist das Gegenteil von „Wandel“ oder von „Kooperation?

·       Warum könnte es ein Spannungsfeld zwischen „Konkurrenz“ und „Kooperation“ geben und weshalb beginnt man gerade jetzt, sich besonders intensiv mit dieser Thematik zu befassen?

·       Wie werden Politik, Gesellschaft, etc. Medien, letztlich die diversen Gruppen der Menschen auf diesen „Paradigmen-Wechsel“ reagieren?

·       Wer werden die vermutlichen „Gewinner“ oder „Verlierer“ eines solchen „System-Wechsels“ sein?

·       Wie wird die zu erwartende „Reaktion“ der Vertreter des „Konkurrenz-Systems“ ausfallen, welches werden die vermutlichen „Haupt-Linien“ der „Verteidigung“ sein?

·       Wie werden die Menschen mit den notwendig neu zu definierenden Begriffen, wie „Selbstverantwortung“, „Selbstbewusstsein“, „Selbstorganisation“, etc. umgehen, sich darauf eher freuen oder eher in einer eher typisch defensiven „Veränderungs-Verweigerungs-Haltung“ verharren wollen?

·       Welche Bedeutung hat ein „Kooperativer Wandel“ für den Planeten, unsere Lebensgrundlagen und die unserer nachfolgenden Generationen.

·       Ist ein „Kooperativer Wandel“ wirklich erforderlich oder reichen „Reparaturen“ am „Konkurrenz-System aus?

·       Wie wird besonders die junge Generation auf diesen Paradigmen-Wechsel reagieren.

Und letztendlich auch solche Fragen, die bisher nur wenigen Menschen zugänglich sind, aber die für einen Bewusstseinswechsel sozusagen die Grundlagen bilden, wie z.B.

·       Die Änderung des Erd-Magnetgitters oder die stärkere „Strahlung der Sonne“ (Helio-Sphäre).

Eine der wichtigsten Fragen lautete:

·       Ist die Annahme richtig, den „Kooperativen Wandel“ sozusagen als Folgeerscheinung – quasi als „Motor“ eines unabdingbaren „Bewusstseins-Wandels“ zu sehen und zu verbreiten?

Es hat – auch bei uns – eine Weile gedauert, bis ein „allgemeiner Konsens“ bestand. …

Was können wir davon weitergeben?

·       Dass alles mit guten, d.h. tiefgreifenden - und immer wieder zur Disposition gestellten – FRAGEN beginnen sollte.

Eigentlich wäre es angemessen, so etwas wie ein „Grundrecht auf Fragen“ zu gewährleisten und Lehrer, Professoren … auch Parteien, Politiker oder Verbände sollten sich ebenfalls darin üben, (richtige) Fragen zu stellen. Im Bereich Genossenschaften könnte dazu eine solcher (wichtigen) Fragen z.B. lauten:

·       Wann gibt es ein klares Bekenntnis des Genossenschaftsbereichs zum „Kooperativen Wandel“?

Hinweis:

„Google“ innovativ selbst die „wichtigsten Begriffe und Informationen“ und achte auf die Unterschiede der Informationen… 

Redaktion: FG „QuAntworten“ im IWMC QuantenInstitut (Internationale Wissenschafts- und Medien-Cooperation für angewandte Quantenphysik) info@quanteninstut.de

In Fragen der Kooperation werden wir vom SmartCoop-ForschungsInstitut des MMWCoopGo Bundesverbandes für Cooperations- u. Genossenschaftswirtschaft  e.V. beraten.

 

15.3.21

Kooperativer Verhaltens Kodex - Selbstverantwortung gestalten

 


Essenz: 

Genossenschaften und Kooperationen verfügen über einen latenten Vorteil gegenüber Konkurrenz-Unternehmen, den WIR-KRAFT-VORTEIL. Aber meist bleibt das Theorie. Den WIR-KRAFT-VORTEIL zum WIRK-KRAFT-VORTEIL zu gestalten, dazu dient der „Kooperative-Verhaltens-Kodex“ (KVK) vor allem. So etwas muss „trainiert“ werden, sollte „messbar“ sein, zumindest deutlich zu erkennen sein. Der „Text-Rahmen“ (Satzung, AGO, etc,) bietet dafür die Grundlage. Akzeptanz und „Verinnerlichung“ bei jedem „MitUnternehmer“ ist aber erst (wahrer)  „Kooperativer Vorteil in Aktion“

Frage

In unserer Genossenschaft gibt es eine Menge „Spielregeln“. Satzung, Geschäftsordnungen, usw. Die hören sich gut an, sind wohl auch so gemeint. Aber im genossenschaftlichen Alltag spielen sie kaum eine Rolle. Wir diskutieren seit einiger Zeit, wie wir uns nach innen so gemeinsam optimal verhalten können, dass das nach außen Erfolge zeigt. …

Bisher konnten wir noch nicht erkennen, dass unsere Mitglieder wirklich begriffen haben, dass es in im Inneren einer Genossenschaft anders zugehen sollte, wie in einem Konkurrenzunternehmen. Schließlich wollen wir erfahren und spüren, dass Kooperation anders ist als Konkurrenz. Wie könnte man das unseren Mitgliedern näher bringen? Oder sollte man das vorher klären und vom Ergebnis den Gründungszeitpunkt abhängig machen?  

Antwort

Wir beginnen eure Fragen quasi von „hinten her“ zu beantworten. Wann wäre vermutlich der geeignetste Gründungszeitpunkt? Aus unserer Sicht wäre mit der Gründung erst zu beginnen, wenn sich alle Beteiligten über ihr erforderliches Verhalten, ihre Bereitschaft, ihre Motivation, ihre Ziele, usw.

·       wirklich im Klaren sind.  

Das ist längst nicht der Fall, wenn man z.B. gemeinsam ein Seminar oder Coaching für Kooperations-Unternehmen besucht hat. Aber eine solche (gemeinsame) „Vorbereitung“ wäre dennoch ein guter „Einstieg“:

·       in das „ungewohnte Milieu“ genannt  „Gemeinschafts-Handeln“.

Wir schlagen vor, dass ihr so etwas wie einen „Kooperativen-Verhaltens-Kodex“ (kurz: KVK) entwickelt. Darin sollten z.B. folgende Themen-Bereiche geregelt werden:

·       Das Prinzip Selbstverantwortung

·       Das Prinzip Kooperation (horizontal und vertikal – nach innen und außen)

·       Das Selbstverständnis „MitUnternehmer“ (in Abgrenzung zum „Arbeit-nehmer“)

·       Qualifikations-Initiativen

·       Grundlagen der Leistungsbemessung

Diese KVK sollte regelmäßig weiterentwickelt werden und sich in die Struktur-Gestaltung (Satzung, Ordnungen, Richtlinien, usw.) einfügen.

Damit wird auch ein weiterer „Baustein“ deutlich:

·       Satzungen haben eine relativ geringe „Aktualisierungs-Elastizität“, denn sie bedürfen stets aufwändiger „Bürokratie“, bis zur Wirkung (Registereintrag)

·       Das geschickte Zusammenwirken von Satzung und AGO ist ein wichtiges Gestaltungsmerkmal.

·       Noch elastischer ist der Weg von AGO über Richtlinien zu Vereinbarungen, usw.

Eine Schlichtungs- oder Schiedseinrichtung dient dazu, strikt dafür zu sorgen, dass

·       „Innenfragen“ auch „innen“ geklärt werden. Ein Verstoß gegen dieses Prinzip sollte eindeutige Konsequenzen auslösen.

Aber Achtung!

·       Jedes Form von „Festlegung“ ist nur eine Art „Auffanglösung“, solange sozusagen der „gesunde Team-Geist“ (noch) nicht funktioniert.

Wer sich als „MitUnternehmer“ versteht, wird erfahrungsgemäß ein anderes Selbstverständnis einbringen, wie jemand, der sich „arbeitnehmer-bezogen“ definiert.

Wir bitten zu berücksichtigen:

·       Qualifikation sollte über die Sichtweise der „Fachspezifik“ hinausgehen!

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch zwischen Genossenschaften, Coachings und entsprechende Seminare, also ein Austausch zwischen den Menschen, sollte Standard bei jeder Genossenschaft sein, die daran interessiert ist, die sog. „WIR-Kraft-Vorteile“ – also den Grund-Vorteil (oder besser:

·       Die faktische Überlegenheit jeder Kooperation - in Bezug auf entsprechende Konkurrenz-Unternehmen – zur Wirkung zu bringen.

Und „JA“:

·       Der formale „Gründungs-Akt“ einer Genossenschaft sollte möglichst (erst) dann vollzogen werden, wenn so etwas wie „Synchronisation im Selbstverständnis aller Teilhaber“ besteht. …

 

Kooperation – Ist die geniale Erfindung des nachhaltigen Vorteils!

Redaktion: Fachgruppe GenoFAQ - im SmartCoop ForschungsInstitut (SCFI) des MMW (Bundesverband der Cooperations- und Genossenschaftswirtschaft) Kontakt: gks@menschen-machen-wirtschaft.de

Unsere Berater für Genossenschaftsfragen: DEGP Deutsch-Europäischer Genossenschafts- u. Prüfungsverband e.V. (info@degp.de) und der CoopGo Bund Freier Genossenschaften (gw@coopgo.de)

Unsere Berater für Quantenwissenschaft: QuantenInstitut (IWMC Internationale Wissenschafts-u. MedienCooperation) info@quanteninstitut.de

 

  

23.2.21

Mehrwert bieten! – Nur so könnten die (genossenschaftlichen) Prüfungsverbände ihr „Prüfungs-Monopol“ retten.

 

 

Frage (Auszug)

Wir sind eine recht neue Genossenschaft und suchen Kontakt nach Frankreich, Spanien und Italien. Unsere Freunde in Frankreich möchten nun eine Genossenschaft in Deutschland gründen. Dabei wollen sie von uns beraten werden. In unseren Gesprächen haben wir erfahren, dass man in Frankreich z.B. nicht eine „Pflichtmitgliedschaft“ in einem Prüfverband eingehen muss. Wir haben nicht nur darüber gestaunt, sondern auch mitbekommen, dass in Frankreich viel mehr Lebendigkeit bereits bei der Gründung einer Genossenschaft besteht. Weil das bei uns in Deutschland alles immer komplizierter ist, wie anderswo, wird es zunächst keine Gründung der Franzosen in Deutschland geben. Nun, wir waren mit unserem Prüfungsverband nicht direkt unzufrieden, haben jedoch gemerkt, dass solche Prüfer sich kaum in den „Genossenschafts-Alltag“ hineinversetzen können. Sie „kleben“ förmlich an ihren Zahlen, aber echte Impulse haben wir bisher keine bekommen. Ein Mitglied unserer Genossenschaft ist Anwalt. Er hat uns erklärt, warum es in Deutschland überhaupt die (gesetzliche) Pflicht gibt, einem Prüfungsverband angehören zu müssen. Wir haben auch dazu unseren „Prüfer“ gefragt. Der hatte eine  – für ihn – einfach Auskunft: „Das ist halt so, weil es im Gesetz steht“. Diese Antwort hat uns irgendwie nachdenklich gemacht und wir haben intensiver recherchiert. Das Ergebnis war „desillusionierend“, das hat viel mit der Zeit des Faschismus zu tun. Wir würden jedem Genossenschaftler empfehlen, dazu mal die Bücher von Herrn Wilhelm Kaltenborn zu lesen (gern geben wir euch die Titel dazu. ..)

Was ist euere Meinung dazu und kennt Ihr Menschen, die positive Erfahrungen gemacht haben, die ein „Prüfungs-Monopol“ der Verbände rechtfertigen?

Wir werden in Kürze an einer europäischen Konferenz von Genossenschaften teilnehmen. Könnt Ihr uns bitte deshalb recht kurzfristig antworten?.

Uns ist auch unklar, warum es in Deutschland einen „EU-Sonderweg für Genossenschaften in Deutschland“ gibt und wann man das Genossenschaftsrecht endlich in Europa vereinheitlichen wird.

Gibt es eurer Sicht eine inhaltliche Rechtfertigung – und worin liegt die – dass man in Deutschland „zwangsweise“ einem Prüfungsverband angehören muss.

Gern hätten wir Literaturhinweise zu unseren Fragen, weil einige unserer Mitglieder überlegen, zu solchen genossenschaftlichen Themen „Bachelor- oder Master-Arbeiten zu schreiben. …

Wie ist die Stellung zu solchen Themen der „Genossenschafts-Institute“ in Deutschland. Wir haben gehört, dass diese Institute irgendwie von Außen „subventioniert“ werden, was nicht unbedingt auf „unbeeinflusste Forschung“ hindeutet. ….

FragestellerIn: Startup Genossenschaft im Bereich „Digitalisierung und Kommunikation“.

 

 Antwort (Auszug):

Ssenschaft in Deutschland muss

 

Allein euere Fragen ließen sich bereits zu einer „Bachelor-Arbeit“ ausbauen. …

Wir wollen versuchen, recht kurz zu bleiben, ohne das Wesentliche auszuklammern.

Wenn Ihr die Bücher von Herrn Kaltenborn bereits gelesen habt, brauchen wir darauf nicht weiter eingehen. Wir danken Herrn Kaltenborn für seine verdienstvolle Arbeit. Wir könnten es uns recht einfach machen, weil wir keine „historischen Altlasten“ kommunizieren müssen, unsere Verbandsorganisation ist erst in der „Neu-Zeit“ entstanden. ….

Lasst uns mit einer Frage beginnen:

Was könnte der Grund dafür sein, weshalb auch heute noch ein Relikt besteht, das in der Zeit des Nationalsozialismus seine besondere Bedeutung hatte:

·         Die immer noch ungewöhnlich intensive Staatskontrolle im Genossenschaftsbereich!

Aus Sicht der Staatsfunktion der NS-Zeit machte Kontrolle Sinn. …

Aber was ist der Sinn in der heutigen Zeit, wenn „Staatskontrolle“ nicht mehr im Vordergrund stünde?

Halten wir fest:

·         Vor 1934 gab es keine Staatskontrolle.

·         Erst die „Nazis“ führten sie ein.

·         Aber auch nach 1949 war man immer noch der Auffassung, eine „Staatskontrolle“ zu benötigen!

Wenn das nicht nachdenklich macht. …

Abstrakt könnte man fragen:

·         Was ist heute das Staats-Motiv, um Genossenschaften in einen staatlichen Kontroll-Prozess zu halten?

Und erweitert könnte man fragen:

·         Warum diese Staatskontrolle jetzt sogar ausgedehnt wird, statt darüber nachzudenken, sie sukzessive zu minimieren, gegebenenfalls ganz aufzugeben?

Ein Blick auf fast alle EU-Staaten (außer Österreich) zeigt, dass das geht und wie gut das funktioniert.

Irgendwie merkwürdig:

·         In Ländern mit „Staatskontrolle“ „dümpelt“ der „Genossenschafts-Bereich auf niedrigem Niveau, vor allem die Zuwachsraten sind niedrig

·         In Ländern ohne „Staatskontrolle“ boomt – sozusagen - der Genossenschaftsbereich, „Geno-starup“ ist „in“!

Nun, der „Staat“ in Deutschland wird darauf verweisen, dass es ja Genossenschafts- und Prüfungsverbände gibt, die als „Eingetragene Vereine“ sich quasi selbst organisieren.

Es scheint so, als wären heute „Prüfungsverbände“ in freier Regie der Vereins- bzw. Verbandsmitglieder. Sind sie aber nicht. Das Recht der Mitglieder eines Verbandes sich „selbst zu verwalten“ ist nicht unerheblich eingeschränkt.

Das beginnt bereits damit, dass das „Prüfungsrecht“ staatlich verliehen wird und natürlich auch „zurückgenommen“ werden kann.

Jede Genossenschaft in Deutschland muss – um in das Register eingetragen zu werden und somit als „eG“ firmieren zu können - einem „staatlich beaufsichtigten“ Verband angehören.

Gehört sie keinem Verband an, wird sie „ausgetragen“. Sie ist dann zwar noch immer eine Genosenschaft, aber hat keine Haftungsbegrenzung mehr. …

Die „Staatskontrolle“ der Verbände äußert sich vielfältig.

Landesbehörden entscheiden über die Zulassung von Prüfungsverbänden und überwachen deren Tätigkeit. Im Rahmen einer sog. Qualitätskontrolle „überwacht“ zusätzlich die Wirtschaftsprüferkammer und auch andere „Quasi-Staatliche“ Einrichtungen werden tätig, wie z.B. die Verbraucherberatung. Auch wenn sie alle irgendwie „gerechtfertigt“ erscheinen mögen, greifen sie doch letztlich nicht unerheblich in die genossenschaftliche Souveränität ein.

Ist das beabsichtigt oder eher „zufällig“?

Die Alternativen sind offenkundig und lauten:

·         Entweder man vertraut den Menschen, dass sie im Rahmen von Selbstorganisation ihre originären Themen selbstverantwortlich regeln können, so wie das Vereinsrecht es vorsieht.

·         Oder man unterstellt, dass Menschen (irgendwie) unmündig und unfähig sind, ihre Mitgliedschaften selbst mit Leben auszufüllen. In diesem Bild orientiert man eher auf „Überwachung und Kontrolle“; letztlich die Staatskontrolle …

Nun, Länder wie Deutschland und Österreich taten sich mit Selbstorganisation und Vertrauenskultur schon immer etwas schwerer. …

Der Hinweis zur EU-Harmonisierung ist interessant. Eigentlich hätte er aus Deutschland längst selbst kommen müssen.

Diese Frage wäre berechtigt:

·         Warum ist wirkliche Selbstorganisation und Selbstverwaltung nicht längst eine Forderung der deutschen und österreichischen Genossenschaft- und Prüfungsverbände?

Fürchtet man sich und wenn ja, warum und was befürchtet man?

Einer EU-Harmonisierung – damit einer Pflichtmitgliedschaft für Genossenschaften in Prüfungsverbänden, wird man in Deutschland nicht dauerhaft „entgehen“ können.

Aber man könnte den „Druck“ hin zu dieser Forderung intelligent minimieren, z.B. durch eine andere Verbände-Politik. …

Wer mit etwas mehr Intelligenz statt borniertem Verbands-Ego sich solche Entwicklungen anschaut, muss einfach erkennen, dass die Verbände sich irgendwie selbst daran zu beteiligen scheinen, den Druck in Richtung „EU-Harmonisierung“ zu forcieren.

Das zentrale Stichwort heißt:

„Mehrwert“!

 

Angenommen, Mitglieder in einem Prüfungsverband sind vollends zufrieden mit dem „Service-Angebot“ ihres Verbandes in Bezug auf die Kosten und die Leistungen.

·         Würden diese Mitglieder aus dem Verband austreten, wenn die Pflichtmitgliedschaft aufgehoben wäre?

Nein, natürlich nicht, weil anzunehmen ist, dass dieser – auf Genossenschaften spezialisierte Sachverstand (Service) - im „Preis-Leistungs-Verhältnis“ nirgendwo vorteilhafter wäre.

In einem Verband legen die Mitglieder die Gebühren selbst fest, bei privaten Organisationen (Wirtshaftsprüfer, etc.) gelten ungleich höhere Gebührensätze.

Die Frage ist angemessen, weshalb (Prüfungs-) Verbände überhaupt „Angst“ haben, wenn die Pflichtmitgliedschaft in Verbände – gemäß einer EU-Harmonisierung – beendet würde.

Das kann eigentlich nur dann der Fall sein:

·         Wenn Prüfungsverbände meinen, in einem offenen Wettbewerb nicht bestehen zu können.

Es sollte eigentlich nicht schwierig sein, das Leistungsangebot von „Spezialisten“, wie es die Verbände sind (bzw. sein sollten), bereits jetzt – zugunsten ihrer Mitglieder - zu optimieren. Das gilt besonders für den Bereich „Prüfen“.

Hier ist ganz sicher eine Diskussion notwendig, wie aus einer „Überprüfung“ von bereits vollendeten Geschäftsabläufen, eine zukunftsbezogene „Mehrwert-Prüfung“ entstehen könnte. Dazu ist sicherlich eine neue Sichtweise erforderlich, die über „Zahlen-Korrektness“ hinausgeht.

Die Frage muss gestellt werden, welche Bedeutung die Menschen in einer Genossenschaft bezüglich des Geschäftserfolgs einer Genossenschaft haben?

Aufgrund der (Verantwortungs- und Handlungs-) „Gemeinschaft der Teilhaber“ entsteht ein latentes Potential der „Überlegenheit“, das bisher noch nicht hinreichend zur Entfaltung gekommen ist.

Wir nennen das – verkürzt gesagt – die „Energie hinter den Zahlen“ zu erkennen.

Es fehlt derzeit bei den Verbänden zu erkennen, dass die traditionelle „Prüfer-Qualifikation“ um neue Beratungsfelder erweitert werden könnte. Ob das zu einer diesbezüglichen Kompetenzerweiterung des Prüfers führen sollte oder ob dies eher eigenständig personell zu ergänzen wäre, muss hier nicht abschließend beurteilt werden.

Sicher ist aber, dass der Aspekt „Prüfen“ und „Beraten“ (in Verbindung mit der förderwirtschaftlichen Grund-Erfordernis) eher gleichwertig zu sehen sind wird zu diskutieren sein. Und „Prüfungsberichte“ von Genossenschaften müssen sich erheblich von „Wirtschaftsprüfungs-Berichten“ unterscheiden. …

Wir würden den Verbänden raten, bereits jetzt ihr Leistungsangebot so zu gestalten, „als ob“ das bestehende „verbandliche Prüfungsmonopol“ bereits aufgehoben wäre. …

Derzeit haben – soweit wir es übersehen – weder wichtige Verbände - noch der Staat ein Interesse, das Thema „Prüfungspflicht“ und „Pflichmitgliedschaft“ in Prüfungsverbänden zu liberalisieren.

Die absolute Mehrheit der EU-Staaten hat keine „Pflichmitgliedschaft“ in staatlich kontrollierten Verbänden und es gibt von dort auch keine Nachrichten, dass das

problematisch wäre. Kein Land der EU ist bereit, sich auf eine Anpassung in Richtung Deutschland oder Österreich einzulassen.

Im Gegenteil, sie erkennen deutlich:

·         Pflichtmitgliedschaft scheint den Genossenschaftssektor eindeutig zu behindern!

Die Anzahl der Neugründungen und der Gesamtzahl der Genossenschaft (bezogen auf die Gesamt-Bevolkerung) spricht eine klare Sprache:

·         Deutschland und Österreich sind aufgefordert, endlich den Sonderweg zu beenden oder Nachweise vorzulegen, die diesen Sonderweg rechtfertigen!

Danke für euere Frage und viel Spaß beim Kooperieren!    

 

Bewusstseins-Wandel ist „Taktgeber“ für den „Kooperativen-Wandel“!

Genossenschaft-Online ist eine Fachgruppe des SmartCoop ForschungsInstituts (SCFI) im  Bundesverband MMW. Unsere Berater sind: DEGP Deutsch-Europäischer Genossenschafts-u. Prüfungsverband, IWMC QuantenInsitut Internationale Wissenschafts- u. MedienCooperation und  CoopGo Bund Freie Genossenschaften.

Wir behalten uns vor – ausschließlich zum Zwecke der besseren Lesbarkeit – Fragen geringfügig abzuändern.

Kontakt: gks@menschen-machen-wirtschaft.de  

 

Benötigen Genossenschaften jetzt eine wirksame Interessenvertretung?!

*Wer vertritt wirklich die Genossenschafts-Interesssen?*   GenoGo-Dialoge     * Kooperativer Wan...